Wichtige Frauen in Debussys Leben

Nadjeschda von Meck

Als im Sommer 1880 - Debussy war 18 Jahre alt - eine Anfrage von Antoine Marmontel, Debussys Lehrer am Conservatoire, an Debussy herangetragen wurde, waren Debussy und seine Eltern geschmeichelt. Es handelte sich um ein Angebot von Nadjeschda von Meck, die für ihren Sommeraufenthalt in der Schweiz einen Pianisten suchte. Nadjeschda von Meck ist der Nachwelt als finanzkräftige Förderin Peter Ilytsch Tschaikowskys bekannt, dem sie ein in finanzieller Hinsicht sorgenfreies Leben ermöglichte, dessen Musik sie leidenschaftlich liebte, dem sie aber bekanntlich nie begegnete.

Nadjeschda von Meck
Nadjeschda von Meck (1831-1894)

Debussy sagte sofort zu. Er verbrachte den ganzen Sommer in Frau von Mecks Hofstaat und reiste mit ihr bis nach Italien. Seine Aufgaben waren hauptsächlich, ihren Kindern Klavierunterricht zu geben und selbst Klavier zu spielen - vor allem die Werke Tschaikowskys. Hier erlebte er zum ersten Mal, dass die Beschäftigung mit Musik eine überragende Wichtigkeit und Bedeutung besaß. Sorgen irgendwelcher Art waren in dieser Welt nicht vorgesehen. Nadjeschda von Meck äußerte sich durchaus angetan von dem jungen französischen Pianisten. 1881 und 1882 verbrachte Debussy einige Monate in Russland bei Frau von Meck. Einen abrupten Abschluss fand die Verbindung zur Familie von Meck dadurch, dass sich Debussy 1882 in Nadjeschda von Mecks fünfzehnjährige Tochter Sonja verliebte und um ihre Hand anhielt.

Marie-Blanche Vasnier

Marie-Blanche Vasnier war 30 Jahre alt, als Debussy sie 1880 kennenlernte. Sie war mit dem bekannten Architekten Pierre Vasnier verheiratet und hatte zwei Kinder. Debussys lernte sie kennen, als er Gesangsstunden am Klavier begleitete. Madame Vasnier war eine gute Sängerin. Bald ging Debussy in ihrem Haus aus und ein, hatte dort sogar ein eigenes Zimmer und fand hier den künstlerischen und emotionalen Halt, den er brauchte.

Marie-Balnche Vasnier
Marie-Blanche Vasnier, Gemälde von Jacques-Emile Blanche, 1888.

Ihr Ehemann kümmerte sich um die Bildung und Karriere des jungen Debussy und sah großzügig darüber hinweg, dass die Beziehung Debussys zu seiner Frau vielleicht etwas zu eng war. Debussy widmete ihr einige seiner frühen Lieder. Die recht enge Freundschaft mit den Vasniers dauerte bis ungefähr 1890.

Gabrielle Dupont

Gabrielle Dupont, oder Gaby, war Debussys erste langfristige Beziehung. Barraqué schreibt über die
"[...] Gefährtin seiner schweren Jahre, von der man nicht weiß, ob sie Putzfrau oder Verkäuferin in einem Laden war. [...] Über Debussys Verhältnis mit Gaby hat man sich oft gewundert. Eine so unbedeutende Persönlichkeit als Gefährtin des jungen Komponisten kann die Neugier wirklich reizen. Aber Debussy scheint in bezug auf seine Partnerinnen weniger wählerisch gewesen zu sein als bei seinen Männerfreundschaften, die er gern auf geistiger Ebene pflegte."(1)

In der Tat ist sehr wenig über Debussys langjährige Freundin bekannt. So sind viele Aussagen in den Biographien widersprüchlich und zeugen damit auch nicht von großer Sorgfalt. Zu unbedeutend erscheint diese Gaby den Biographen. So datiert Danckert den Beginn der Beziehung um 1883, das Ende Anfang 1897, schreibt aber von einer etwa 10 Jahre dauernden Beziehung. (2) Er beschreibt sie als blond, hochgewachsen und robust (3), was Fischer-Dieskau nicht daran hindert, sie als eine „kleine Dunkelblonde aus Lisieux“ zu titulieren, die nur in Maßen hübsch gewesen sei. (4). Einzig bei der Augenfarbe sind sich alle einig – Vallas reduziert sie als „Dame mit grünen Augen“ (5) und „die grünäugige Gaby“ (6) im Grunde gänzlich auf dieses physiognomische Merkmal. Am ehesten darf man hier wohl René Peter glauben, der mit Debussy befreundet war und sie persönlich kennengelernt hatte: „Gaby war eine Blondine mit Katzenaugen und einem starken Kinn, und sie war sehr anhänglich.“ (7)

Was mag Debussy bewogen haben, einen guten Teil seines Lebens mit einer Frau zu verbringen, die intellektuell weit unter ihm stand und in einer geistig vollkommen anderen Welt lebte? Barraqué hat da schon recht: für den geistigen Tiefgang hatte er seine Freundschaften mit den Künstlern und Literaten, da benötigte er zu Hause keine Frau, die ihm intellektuell das Wasser reichen konnte. Außerdem kam Debussy selbst aus sehr einfachen Verhältnissen und sah deshalb die soziale Stellung Gaby sicher nicht als Problem. Er hätte auch nur schwer eine Frau finden können, die aus besseren Kreisen kam, denn Debussy lebte zu dieser Zeit das Leben eines armen Bohemiens in einem „Zimmer in der Rue de Londres 42, eine Art getäfelter Höhle, wo in sonderbarer Unordnung ein krummbeiniger Tisch, drei strohgeflochtene Stühle, eine Art Bett und ein strahlender, selbstverständlich geliehener Pleyel-Flügel einander Gesellschaft leisteten.“ (8)

Im Jahr 1897 Gaby fand einen kompromittierenden Brief Debussys, der eine Liebschaft mit einer anderen Frau – es ist nicht bekannt, welche - enthüllte und unternahm einen Selbstmordversuch mit einem Revolver, den sie allerdings überlebte. Das Ende der Beziehung wird im Allgemeinen auf Ende 1898 datiert. Denn am 1. Januar 1899 schreibt Debussy etwas kryptisch an seinen Verleger Georges Hartmann: „Ich habe die Wohnung gewechselt und dann hat Mademoiselle Dupont, meine Sekretärin (sic!) ihre Stellung aufgegeben.“ (9)

Rosalie Debussy, geb. Texier

Lily Texier
Lily Texier

1899 feierte Debussy Hochzeit mit Rosalie Texier, genannt Lily, einer Frau, mit der die Debussy-Biographen ebenso wie mit Gaby ihre Probleme haben. Stammte sie doch ebenfalls aus einfachen Verhältnissen und arbeitete in einer Schneiderei. Sie schien genauso wenig zu dem Künstler zu passen, wie ihre Vorgängerin. Viel zu erfahren ist darum über die Ehejahre nicht, außer dass es den beiden finanziell nicht gut ging.

Emma Debussy, gesch. Bardac, geb. Moyse

Im Jahre 1901 begann Debussy den Bankierssohn Raoul Bardac zu unterrichten. Dadurch lernte er dessen Mutter Emma Bardac kennen. Sie war eine gebildete, einflussreiche und außerdem sehr musikalische Frau.

Claude und Emma Debussy
Claude und Emma

Es ist nicht genau bekannt, wann sich das Verhältnis zwischen den beiden entwickelte, aber im Sommer 1904 kam es zu einem handfesten Skandal. Lily, die von der Beziehung erfahren hatte, beging einen Selbsmordversuch, konnte aber gerettet werden. Debussy, der zu diesem Zeitpunkt ein Mann des öffentlichen Lebens war, musste für diese Geschichte ordentlich Prügel einstecken. Er floh mit Emma auf die Kanalinsel Jersey (siehe auch L'isle joyeuse). Die Scheidungsformalitäten zogen sich noch viele Jahre hin und lange bevor die beiden im Jahr 1908 heiraten konnten, kam 1905 ihre gemeinsame Tochter Claude-Emma, auch Chouchou genannt, zur Welt (siehe auch Children's Corner). Mit Emma blieb Debussy bis zu seinem Tod zusammen.


(1) Barraque, Jean. Debussy. Rowohlt, 1964, S. 56.
(2) Danckert, Werner. Claude Debussy. Berlin, 1950, S. 22.
(3) Ebda.
(4) Fischer-Dieskau, Dietrich.  Fern die Klage des Fauns. Rowohlt, 1964 S. 56f.
(5) Vallas, Leon.  Debussy. Rowohlt, 1964 S. 56f.
(6) Ebda.  Debussy. Rowohlt, 1964 S. 56f.
(7) ?  Debussy. Rowohlt, 1964 S. 56f.
(8) Barraque, Jean,  Debussy. Rowohlt, 1964 S. 56f.
(9) Barraque, Jean,  Debussy. Rowohlt, 1964 S. 56f.

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  © 2022 by Jochen Scheytt

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Jochen Scheytt
ist Lehrer, Pianist, Komponist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.