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Musikgeschichtliche Einordnung des musikalischen Impressionismus
Werke, die als impressionistisch bezeichnet werden, entstanden nur in den Jahren von ca. 1890 bis 1910. In musikalischer Hinsicht ist der Impressionismus eine rein französische Angelegenheit, die hauptsächlich mit zwei Komponistennamen verknüpft ist, nämlich mit Debussy und Ravel. Auch andere Komponisten haben impressionistische Klangwirkungen gebraucht; deren gesamtes Werk ist jedoch nicht impressionistisch zu nennen.
Woran liegt es nun, dass sich der Impressionismus nicht durchsetzen konnte und regional wie zeitlich so eingeschränkt auftrat?
Rückblick
Um diese Frage beantworten zu können, muss man einen kurzen Blick in die Musikgeschichte, bzw. Musiktheorie werfen. In der Klassik entwickelte sich das System der funktionalen Harmonik, das nichts weiter ausdrückt, als dass verwandte Dreiklänge (also Dreiklänge mit gemeinsamen Tönen) in einem Spannungsverhältnis stehen. Dieses Verhältnis wird mit den Begriffen Tonika, Subdominante und Dominante ausgedrückt (z.B. C-Dur, F-Dur und G-Dur). Die Abfolge dieser drei Akkorde heißt Kadenz. Sie sind die Grundlage aller Musikstücke aus dieser Zeit und Grundlage der populären Musik bis zum heutigen Tage.
Tristan-Akkord
Die Komponisten der nachfolgenden Jahre und Jahrzehnte entwickelten dieses System immer weiter. Um 1860 war es so an seine Grenzen gekommen, dass eine Weiterentwicklung nicht mehr möglich war. Symbol hierfür ist der bekannte "Tristan-Akkord", eine kurze harmonische Verbindung aus Richard Wagners Oper "Tristan und Isolde". In diesen zwei Takten und im ganzen Werk setzt Wagner das ganze funktionale Prinzip außer Kraft. Hier war ein Endpunkt erreicht, nach dem etwas ganz Neues kommen musste.
Der Impressionismus ist nun ein Versuch, harmonisch eine neue Sprache zu entwickeln. Er ist beileibe nicht der einzige Versuch aus dieser Zeit und auch nicht der einzige, der in gewisser Weise in einer Sackgasse landete. 
Neue harmonische Mittel
An Stelle der Dur- und Molldreiklänge der Kadenz setzt Debussy Quart- und Quintklänge, benutzt Akkorde (vor allem Septakkorde), die er nicht im Sinne der funktionalen Harmonik weiterführt (Spannung - Entspannung), sondern nur parallel verschiebt. Er benutzt die Ganztonleiter, mit der nur übermäßige Dreiklänge zu erzeugen sind, und die Pentatonik, deren beschränkte Tonauswahl auch nicht viel Spielraum lässt.
Beschränktheit der Mittel
Die "neuen" harmonischen Mittel des Impressionismus sind also bei weitem nicht so ausbaufähig wie das Dur-Moll-System. Im Gegenteil, sie beschränken den Komponisten eher als dass sie neue Möglichkeiten bieten. Aber sie besitzen reizvolle Klangwirkungen, und diese sind es auch, die den impressionistischen Werken diesen besonderen Reiz verleihen.
Die Komponisten der Zeit erkannten die Beschränktheit der neuen harmonischen Mittel auch sehr schnell und suchten nach anderen Wegen. Ein Weg, der sich lange Zeit durchsetzte, aber bei den Zuhörern bei weitem nicht so viele Freunde findet wie der Impressionismus, ist die Atonalität, die Arnold Schönberg entwickelte. Hier wurde nicht nur das funktionale System, sondern die ganze Harmonik im üblichen Sinne über Bord geworfen.
Die Rolle Frankreichs
Warum der Impressionismus außerhalb Frankreichs nie Fuß fassen konnte, lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Wahrscheinlich spielt die französische Lebensart und die Tradition der musikalischen wie literarischen Salons eine große Rolle. Hier fand sich der künstlerische Nährboden, auf dem diese kurze, aber intensive Kunstrichtung entstehen und gedeihen konnte. Sie war deshalb auch nicht verpflanzbar.
Das schnelle Ende
Mit zum schnellen Ende des Impressionismus trugen sicherlich auch die starken gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen bei, die ab ca. 1900 - 1910 auftraten und schließlich im Ersten Weltkrieg gipfelten. Diese fanden ihren künstlerischen Ausdruck nicht im feinen und zarten Impressionismus, sondern im laut aufschreienden Expressionismus. Symbolhaft für den Expressionismus sind in künstlerischer Hinsicht das Bild "Der Schrei" von Edvard Munch und in musikalischer Hinsicht das Skandalballett von Igor Stravinsky, "Le sacre du printemps".

150. Geburtstag
am 22. August 2012 wäre Claude Debussy 150 Jahre alt geworden.

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Redesign
Nach anderthalb Jahren im neuen Design gab es einige optische Korrekturen.

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Debussy und seine Zeit: Das Paris im 19. Jahrhundert, in dem Debussy lebte.

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