Home | Gästebuch | Kontakt | Empfehlung | Über den Autor | Impressum | Letztes Update: 05.03.2012

Liverpool - auf den Spuren der Beatles
Ein Reisebericht

Geschichte
Liverpool - von Mitte des letzten Jahrhunderts bis in die Zwanziger Jahre ein blühender Handelshafen, Hauptumschlagplatz der Güter, die aus den Ländern des Commonwealth in England ankamen. Das Royal Livery Building und das Cunard Building am Ufer des Mersey als Symbol des Wohlstandes. Anfang der Sechziger, nach dem Niedergang in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit, Hauptstadt des Beat, in der immerhin 400 (!) verschiedene Beatbands existierten. Geburtststadt der vielleicht bedeutendsten Popgruppe aller Zeiten, der Beatles. Wie stellt sich Liverpool heute dar? Ist der Geist der Beatles noch lebendig?
Liverpool - im Hintergrund das Royal Livery Building
Liverpool heute
Ein Besuch soll das klären, mit dem Auto, durch Liverpools Vorstädte mit den typischen englischen "terraced houses", also endlose Reihenhausansammlungen, die allesamt schon bessere Tage erlebt haben. Nachdem die Übernachtungsfrage in einem entsetzlichen Betonklotz von Hotel mitten in der Innenstadt geklärt ist, ein erster Versuch, Spuren der Beatles zu finden. Nach was suchen wir eigentlich? Nicht leicht zu sagen, irgendwelche Originalschauplätze vielleicht. Und gleich der erste Fehlversuch. Der legendäre "Cavern Club" in der Mathew Street, in dem die Beatles ihre ersten Auftritte hatten - insgesamt sollten es über 200 werden - wurde in den Siebzigern zugeschüttet. Ein Nachbau dieses feuchten und finsteren Kellerlochs (cavern = Höhle) findet sich zwar im offiziellen Beatles-Museum "The Beatles Story", aber ein richtiger Ersatz ist das eigentlich nicht.
Cavern Club
George Martin beschrieb die Atmosphäre dort so: "Der Cavern Club war wie ein Kerker. Ein verschwitztes kleines Gewölbe voller Teenager. Die Atmosphäre war elektrisch. Sie sangen all die Rock'n'Roll-Nummern, die sie von amerikanischen Platten übernommen hatten. Es war sehr wild und die Zuschauer liebten jede Minute."(1)
Die Mathew Street ist immerhin so ziemlich die einzige Straße in Liverpool an diesem Sonntag abend, die wenigstens einigermaßen lebendig wirkt. Ein paar Musikkneipen, ein paar nette Pubs, mehr aber auch nicht. Der Rest der Stadt atmet eine sonderbare Atmosphäre, die die sozialen Spannungen, unter denen Liverpool leidet, förmlich spüren lässt. Der unvermeidliche Regen tut wohl sein Übriges dazu.
Mersey River
Der nächste Morgen, bei strahlendem Sonnenschein. Runter zum Mersey, dem Fluss, nach dem der Beat manchmal auch Merseybeat genannt wird. Der Mersey, dem nicht zuletzt durch Gerry and the Pacemakers' 60er-Song "Ferry 'cross the Mersey" ein klingendes Denkmal gesetzt wurde, ist an diesem Tag nur eine braune Brühe, die lustlos ans Ufer klatscht. Dafür stehen die beiden Repräsentationsgebäude, das Royal Livery Building und das Cunard Building in freundlichem Weiß und die Albert Docks, der touristische Stolz Liverpools, wuchtig und einladend am Ufer.
Royal Livery Building, Cunard Building und Albert Docks
Royal Livery Building, Cunard Building und Albert Docks
Albert Docks
Die Albert Docks sind riesige Lagerhallen, in denen die Massen von Waren, die die Schiffe in Liverpool an Land brachten, gelagert wurden. Nachdem so um 1920 die immer größer werdenden Schiffe den flachen Liverpooler Hafen nicht mehr anlaufen konnten und sich der Handel nach London verlagerte, verfielen diese Hallen. Erst Ende der Achtziger begann man, das Areal neu zu beleben. So sind in den völlig renovierten roten Backsteinbauten heute Ladenpassagen, Cafés, Restaurants und verschiedene Museen untergebracht. Die "Beatles-Story" ist eines davon. 
Beatles Story
Für knapp 20 DM bekommt man dort auch einiges zum Thema Beatles geboten, vom nachgebauten Cavern-Club, über Brian Epsteins Plattenladen, bis hin zu originalen Aufnahmegeräten und sonstigen Requisiten. Informationen gibt es in Hülle und Fülle - des Englischen sollte man aber schon so ein bißchen mächtig sein. Gut gemacht ist das ganze allemal, aber haben wir hier den Geist, das Flair der Beatles gefunden? Leider nein. Das Ganze ist zu steril, zu "clean", und will nicht recht zu der Arbeiter- und Industriestadt Liverpool passen.
Noch eine kurze Bootsfahrt auf dem Mersey, ein paar längere Blicke hinauf zur Kathedrale, die mächtig und mit riesigen Ausmaßen über Liverpool thront. Sie ist die größte Kathedrale Englands, aber beileibe nicht die schönste. Sie wirkt kalt und unnahbar.
Ausblick
Was bleibt? Ein etwas zwiespältiges Gefühl. Dass die Beatles hier ihre Weltkarriere gestartet haben, merkt man nicht so sehr. Vielleicht muss man noch mehr im Verborgenen suchen, was in anderthalb Tagen nicht möglich ist. Liverpool als Stadt ist nicht schön; trotzdem besitzt sie Ausstrahlung, gräbt sich ins Gedächtnis. Es muss ja auch nicht immer die Schönheit sein, wie schon Herbert Grönemeyer so treffend festgestellt hat. In Bochum war ich auch noch nie....

(1) zitiert nach: Schuster, Peter: Four ever - die Geschichte der Beatles. Belser 1989, S. 18.

Popsongs und ihre Hintergründe
Hier gibt es nähere Informationen zu folgenden Beatlessongs: All you need is love, Lucy in the sky with diamonds, Strawberry Fields, With a little help from my friends und Yesterday.

Beatles Tageskalender
Für jeden Tag im Jahr sind hier Eriegnisse aus dem Leben und Schaffen der Beatles aufgelistet - interessant und gut recherchiert. Sehr nützlich ist das ausführliche Stichwortverzeichnis.

Beatles-Quiz Seite
Quizseite des englischen Magazins The Guardian mit fünfzehn Fragen, für deren Beantwortung man schon gute Kenntnisse über die Beatles braucht.




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