Popsongs und ihre Hintergründe

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U2: Pride (In the Name of Love)

Jahr: 1984

Ein Museumsbesuch und das musikalische Resultat: U2 und das Chicago Peace Museum


Im Jahr 1983 besuchte die irische Rockgruppe U2 während ihrer USA-Tour das Chicago Peace Museum. Dieser Besuch sollte die Gruppe stark beeindrucken. So stark dass das folgende Album der Gruppe "The Unforgettable Fire" hieß. Das war gleichzeitig der Titel einer Sonderausstellung über Hieroshima und die Opfer, die U2 im Peace Museum sah. Die andere Sonderausstellung beschäftigte sich mit dem Leben und Wirken Martin Luther Kings. Auf "The Unforgettable Fire" finden sich zwei Titel, die davon beeinflusst sind: MLK (gebildet aus den Initialen des berühmten Friedenskämpfers) und Pride (In the Name of Love).

Bei Pride ist der folgende Auszug des Liedtexts (3. Strophe) direkt auf Martin Luther King bezogen:

Early morning, April four
Shots ring out in the Memphis sky
Free at last, they took your life
They could not take your pride

Martin Luther King wurde am 4. April 1968 in Memphis erschossen. Dies geschah allerdings nicht frühmorgens, wie der Liedtext nahelegt, sondern am frühen Abend. Dies ist ein Irrtum von Bono, dem Sänger von U2 und Textautor von Pride. Bono hat diesen Irrtum inzwischen erkannt und singt oft stattdessen "Early evening, April four".

"Free at last" ist ein Zitat aus Martin Luther Kings wichtigster Rede, die er 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. hielt. Sie begann mit den berühmten Worten "I have a dream", endete mit den Worten des Negro-Spirituals "Free at last" ("Free at last, free at last, God almighty, we are free at last"), und beschwor damit das Ende der Rassenunterdrückung in den USA.

Der Schluss der 3. Strophe "Sie nahmen dein Leben, aber deinen Stolz konnten sie nicht nehmen" bringt uns zur Grundaussage des Lieds. Es ist neben Martin Luther King ganz allgemein den Menschen gewidmet, die bis zum Einsatz ihres Lebens für den Frieden und die Liebe im Menschen kämpfen und dabei nie ihren Stolz verlieren, so sehr sie auch bedrängt oder gedemütigt werden.

Die beiden Anfangsstrophen sind in dieser Hinsicht allgemeiner gehalten. Auffallend ist das Stilmittel der Anapher, denn alle Verse beginnen mit "one man". Dies kann ganz allgemein interpretiert werden als "irgendein Mensch", der zum Beispiel sich einem System widersetzt ("one man he resist") oder sich als Gefangener im Stacheldrahtzaun verfängt ("one man caught in a barbed wire fence"). Da U2 einen christlichen Hintergrund besitzen, werden einige dieser Zeilen gern auch im Hinblick auf Jesus gedeutet: "One man come in the name of love", oder "one man betrayed with a kiss": der Verrat durch Judas.

Durch den klaren, schneidenden, etwas spröden Gitarrensound, den im Refrain hohen, emotionalen Gesang und die quasi-militärischen Fills auf der Snare-Drum schaffen es U2 dem Song vor allem im Refrain einen anklagenden Charakter mitzugeben. Im Kontrast dazu sind die 2. und 3. Strophe durch einen wärmeren Gitarrensound und eine tiefere Lage von Bonos Gesang versöhnlicher gehalten.

© 2005 by Jochen Scheytt

Album: The Unforgettable Fire
Veröffentlichung: Oktober 1984

Ein weiterer Song, der sich mit mit Dr. Martin Luther King auseinandersetzt, ist Happy Birthday von Stevie Wonder.
Jochen Scheytt
ist Lehrer, Pianist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.
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