Vorbemerkungen
Biographie
Musikalische Einflüsse
Die Stimme
Musikalität
CD-Tipps

Mail


zurück
z
 
Al Jarreau - die Stimme

"Stimmartist", "Stimmkünstler", "the voice", "the amazing acrobat of scat", "human synthesizer" - das sind nur einige der Namen, die Al Jarreau in den letzten Jahren gegeben wurden. Sie alle sind Ausdruck der Faszination, die von ihm und vor allem von seiner Stimme ausgeht. Diese Faszination allerdings in Worte zu fassen, ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Es würde Seiten füllen, wollte man die ganze stimmliche Palette mit all den Geräuschen, Zischlauten, den verschiedenen Klangfarben, die er seiner Stimme zu geben vermag, den Temperamentsausbrüchen, dem Spiel mit Text, Rhythmus und Melodie beschreiben. Und selbst dann wäre diese Darstellung nur ein notdürftiger Ersatz für einen Höreindruck. Man muß Al Jarreau einfach gehört haben.
Einen recht gelungenen Versuch, sich über Al Jarreaus Stimmartistik schriftlich zu äußern, machte 1977 Joachim Ernst Berendt, den ich hier nun zitieren will:
"Jarreau - singend, gurgelnd, mit der Zunge schnalzend, stöhnend, schreiend, flatternd, flüsternd, seufzend, knatternd - verfügt über ein Arsenal stimmlicher Möglichkeiten, das mit dem keines anderen männlichen Sängers vergleichbar ist..... Jarreau ist ein Instrumentalist der Stimme, seine Musik kommt von instrumentalen Phrasen her. Seine Kehle bringt wirklich ein ganzes Orchester hervor: Schlagzeuge und Saxophone, Trompeten und Flöten, Congas und Bässe - aber das alles aus dem Mund eines einzigen Mannes, vom tiefsten Baß zum höchsten Flageolett, als ob dieser Mann über ein Dutzend oder mehr verschiedener männlicher oder weiblicher Stimmen verfüge. Am frappantesten ist Al Jarreaus Flötenstimme...."12
Der amerikanische Kritiker Lee Underwood schreibt 1976 (hier in deutscher Übersetzung):
"Seine melodischen, vokalen Improvisationen sind oftmals so schnell, schwierig und in die Höhe steigend wie die eines Saxophons. Mit einer persönlichen, nicht beschreibbaren Palette von Flötenklängen, Zuggeräuschen, Vogelstimmen, geflüsterten, gekreischten oder leidenschaftlichen Tönen ausgestattet, hat Al Jarreau die Kunst des Scatgesangs sozusagen neu erfunden."13
Seine Flötenstimme ist in der Tat beeindruckend. Sie ist am besten bei der Einleitung des Titels "Glow" von der gleichnamigen LP zu bewundern . Ein gutes Beispiel für die Imitation von Congas ist seine Aufnahme des Dave Brubeck-Klassikers "Take five", die auf "Look to the Rainbow" zu finden ist.
Ich möchte allerdings die stimmliche Beschreibung hier nicht weiterführen, da sie sich nicht zu analytischen Betrachtungen eignet. Im Analyseteil werde ich wieder auf Al Jarreaus Stimme zurückkommen, allerdings mehr unter dem Aspekt, wie er seine stimmlichen Mittel musikalisch einsetzt.


12Joachim-Ernst Berendt, Das Ritual aus der Kehle, in: Jazz Forum Nr. 49, 5/1977, S. 35
13Lee Underwood, Al Jarreau, in: down beat Vol. 43/16, 10/1976, S. 37. Im Original: "His melodic vocal improvisations are often as fast, as difficult, and as soaring as those of a saxophone. Incorporating a personal, non-referential array of flute sounds, train sounds, whispers, squeaks, bird-calls and passion-cries, Jarreau has virtually re-invented the art of scat-singing."

©1999 by Jochen Scheytt
zum Anfang der Seite
zurück zur Startseite