Popsongs und ihre Hintergründe

Beatles

The Beatles: Strawberry Fields Forever

Jahr: 1967

Die technische Meisterleistung George Martins und der Einsatz eines völlig neuen Musikinstruments.


"Strawberry Fields Forever" ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Titel, vor allem aber im Hinblick auf die verwendeten Instrumente und die Aufnahmetechnik.

Entstehung

Doch zuerst ein paar Informationen zum Song selbst. John Lennon schrieb ihn, und zwar während eines Spanienaufenthalts für Dreharbeiten zum Film "How I won the war". "Strawberry Fields Forever" hat aber überhaupt nichts mit Spanien zu tun. Strawberry Field (ohne das Plural -s, das von John stammt) war ein altes viktorianisches Gebäude, in einem großen Park gelegen, das als Waisenhaus der Heilsarmee diente. Es lag in Liverpool nicht weit von Johns Zuhause und das Gelände war ein Zufluchtsort für ihn, als er noch jung war. Das Gebäude existiert heute leider nicht mehr, nur noch einer der Torposten der Einfahrt.

Mellotron

Zwei der auf "Strawberry Fields Forever" verwendeten Instrumente sind sehr ungewöhnlich. Hört man sich das instrumentale Intro an, hört man einen Flötensatz, der aber nicht von Flöten eingespielt wurde. Benutzt wurde ein Mellotron, ein Instrument, das damals eine völlige Neuentwicklung war. Es war ein Vorläufer der heutigen Synthesizer, bei dem die Töne allerdings nicht elektronisch erzeugt wurden. Beim Mellotron wurde durch den Tastendruck ein im Instrument befindliches Tonband gestartet, dessen Klang zu hören war. Für jede Taste des Mellotrons befand sich ein Tonband im Innern des Geräts, das bis zu 20 Sekunden laufen konnte und dann in die Ausgangsposition zurückschnappte. Die Tonbänder waren schon ab Werk bespielt und es waren drei verschiedene Sounds verfügbar, darunter auch der auf "Strawberry Fields Forever" hörbare Flötensound. Per Drehschalter konnte zwischen den drei Sounds umgeschaltet werden.

Die Beatles waren von dem Instrument, das von einer britischen Firma produziert wurde, so begeistert, dass sich jeder der vier ein Instrument kaufte. In der "Beatles Anthology", die inzwischen auf DVD erhältlich ist, demonstriert Paul McCartney auf seinem Mellotron (ein Nachfolgemodell des bei "Strawberry Fields Forever" benutzten) das Intro eben zu "Strawberry Fields Forever". 1966 hingen es die Beatles und ihr Produzent George Martin allerdings nicht an die große Glocke, dass sie ein Mellotron eingesetzt hatten. Da das Mellotron (das im Übrigen auch rhythmische Presets besaß) ganze Bands oder Orchester imitieren konnte, befürchtete die britische Musikergewerkschaft eine zunehmende Beschäftigungslosigkeit von Musikern und wandte sich gegen den Einsatz des Mellotrons.

Dass dies unbegründet war, zeigte dann die praktische Erfahrung mit dem Gerät. Verschiedene Rockgruppen Anfang der Siebziger wie zum Beispiel Led Zeppelin benutzten das Mellotron auch für Liveauftritte und beklagten sich bald bitter über die mangelnde Zuverlässigkeit der Instrumente. Schon kleinste Stromschwankungen beeinträchtigten den Gleichlauf und somit die Intonation. Dabei waren die Musiker oft schon froh, wenn das Mellotron überhaupt Töne von sich gab.

Surmandal

Das zweite ungewöhnliche Instrument spielt nur wenige Töne, und zwar am Übergang jeweils vom Refrain zur nächsten Strophe. Es hat seinen Ursprung in Indien und klingt ein wenig wie eine Zither. Sein Name ist Surmandal (im Englischen oftmals auch "swordmandel" genannt) und gehört zu den harfenähnlichen Instrumenten.

Seit ihren Indienaufenthalten verwendeten die Beatles immer wieder indische Instrumente in ihren Titeln (z.B. bei "Norwegian Wood").

Studiotechnik

Gegenstand von genauer Analyse ist immer wieder die technische Realisation von "Strawberry Fields Forever". Seit die Beatles beschlossen hatten, nicht mehr live aufzutreten, entstanden ihre Songs unter zum Teil völliger Ausnutzung der damals vorhandenen modernsten Studiotechnik. Die Aufnahmen, die im Studio entstanden, wurden anschließend noch sehr stark bearbeitet, mit Overdubs und Effekten versehen. Bänder wurden in verschiedenen Geschwindigkeit abgespielt, oder rückwärts, und das alles zu einem Mix zusammengestellt.

Die Beatles nahmen "Strawberry Fields Forever" im Studio viele Male auf, und experimentierten dabei. Es kam aber anscheinend keine in allen Belangen überzeugende Aufnahme dabei heraus, so dass man sich entschloss, zwei verschiedene Aufnahmen ("Takes") zusammenzufügen. Nun gab es aber das Problem, dass der zweite ausgesuchte Take (Take 26) schneller und einen Halbton höher eingespielt war als der vorgesehene erste. Take 26 musste nun nachträglich im Tempo verlangsamt werden, was auch die Tonhöhe herabsetzt, so dass die Schnittstelle möglichst unhörbar ist. Diese Schnittstelle befindet sich im Song genau nach einer Minute. Davor wurden noch 5 Sekunden eingeklebt, die aus Take 7 stammen. Der Anfang des Songs ist auch Take 7 entnommen.

Dieses Zusammenführen wäre heuzutage im Studio kein großes Problem, damals allerdings war es eine technische Meisterleistung, für die George Martin verantwortlich war.

Links

Eine äußerst detaillierte Beschreibung von Aufnahme- und vor allem Bearbeitungsprozess von Strawberry Fields Forever findet sich auf der von Joseph Brennan geschriebenen Seite Strawberry Fields Forever: Putting Together the Pieces.

Vielfältige Informationen zum Einsatz des Mellotrons in der Pop- und Rockmusikhat Andy Thompson auf seiner Mellotron-Seite zusammengestellt.

© 2006 by Jochen Scheytt

Album: Magical Mystery Tour
Veröffentlichung: November 1967
Jochen Scheytt
ist Lehrer, Pianist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.
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