Die deutschen Debussy-Seiten

von Jochen Scheytt

Der Impressionismus in der Malerei

Der Impressionismus wurde nach Claude Monets Gemälde "Impression, soleil levant" benannt, das 1874 bei einer Ausstellung von achtzehn jungen Malern im Atelier des Fotografen Nadar in Paris gezeigt wurde. Der Kritiker Louis Leroy prägte bei der Besprechung der Ausstellung den Begriff der "Impressionisten". Dies war eigentlich als Schimpfwort gedacht, setzte sich aber schon bald als Bezeichnung für die Maler und ihre Stilrichtung durch.

Impression, soleil levant
Claude Monet: "Impression, soleil levant" (1872)

Vertreter

Die wichtigsten Vertreter bei der ersten impressionistischen Ausstellung waren:

  • Claude Monet (1840-1926)
  • Auguste Renoir (1841-1919)
  • Edgar Degas (1834-1917)
  • Camille Pissarro (1830-1903)
  • Paul Cézanne (1839-1906)
  • Alfred Sisley (1839-1899)
  • Berthe Morisot (1841-1895)

Ihnen allen war gemeinsam, dass sie sich bewusst von den bis dato geltenden Lehrmeinungen absetzten. Sie lösten sich von der gängigen Ateliermalerei und stellten den Alltag in Paris und der Umgebung, das Treiben auf den Boulevards, das Leben in den Vergnügungspalästen, die Stahlkonstruktionen der Bahnhöfe oder die Natur bei Ausflügen vor die Tore der Stadt dar. Dabei malten sie meist im Freien (en plein air) und stellten die Landschaften oder Gegenstände im Übergangszustand des Lichts dar, zum Beispiel bei Sonnenauf- oder untergang, bei flimmernder Luft im heißen Sommer oder im Mondschein. Um die schnell vorübergehenden Lichteffekte einfangen zu können, mussten sie sehr schnell malen, was die in groben Strichen aufgebrachte Farbe und unklaren Konturen der impressionistischen Bilder erklärt. Außerdem setzten sie den dunklen Farben der Atelier-Malerei ihre hellen und zarten Pastellfarben entgegen.

Merkmale impressionistischer Malerei

Weitere typische Merkmale für die impressionistische Malerei sind:

  • Verzicht auf realistische Darstellung
  • verschwommene Farben, die ineinander übergehen
  • keine feste und klare Linienführung, keine Details
  • Verzicht auf Perspektive
  • helle und zarte Farben, Eindruck eines Schleiers, der über dem Bild liegt
  • Spiel mit Licht- und Farbreflexen

Ziel war also kein genaues Abbild des Originals, sondern der Eindruck, die Impression, die das gemalte Objekt in diesem Moment unter bestimmten Lichtverhältnissen bot. Durch diese Lösung vom Gegenstänzdlichen legten sie den allerersten Grundstein für die Entwicklung der modernen abstrakten Kunst.

Reaktionen

Bei vielen Zeitgenossen, vor allem aber bei der konservativen Kritik stießen die Bilder im neuen Stil wegen des starken Bruchs mit der Tradition auf wenig Verständnis. Albert Wolff schrieb anlässlich der zweiten Ausstellung der Impressionisten 1876 im "Figaro":

"Nach dem Brand der Oper ist ein neues Unglück über die Rue Peletier hereingebrochen. Bei Durand-Ruel wurde eine Ausstellung so genannter Malerei eröffnet. Ahnungslose Passanten, von der fahnengeschmückten Fassade angezogen, treten ein, und ihren entsetzten Blicken bietet sich ein grausames Schauspiel: Fünf oder sechs Wahnsinnige, darunter eine Frau, haben, vom Ehrgeiz verblendet, hier ihre Werke ausgestellt. Viele Besucher bekommen Lachkrämpfe vor diesen Machwerken; mir zog es das Herz zusammen. Diese selbsternannten Künstler nennen sich Umstürzler, Impressionisten; sie nehmen Leinwand, Farbe und Pinsel, setzen, wie es gerade kommt, einige Töne nebeneinander und unterzeichnen das ganze. Man muss Pisarro zu verstehen geben, dass Bäume nicht violett sind und der Himmel nicht die Farbe frischer Butter hat, dass in keinem Land die Dinge zu sehen sind, die er malt." (1)

Links

  • Einen virtuellen Rundgang durch die erste Ausstellung der Impressionisten im Jahr 1874 kann man unter der Adresse Mark Harden's Artchive - The First Impressionistic Exhibition unternehmen.

  • (1) Zitiert nach: Kuhl, Isabel. Impressionismus. Parragon Books Ltd., 2012, S. 118.

      © 2015 by Jochen Scheytt

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    Jochen Scheytt
    ist Lehrer, Pianist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.


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    Jochen Scheytt

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