Die deutschen Debussy-Seiten

von Jochen Scheytt

Musikalische Stilmittel Debussys

Die folgenden musikalischen Stilmittel werden von Debussy sehr häufig verwendet, charakterisieren seine Musik und werden somit oft auch impressionistisch genannt.

Harmonik

Auflösung der Kadenz und ihrer Gesetzmäßigkeiten, Suche nach neuen harmonischen Mitteln

  • Auflösung der funktionalen Harmonik, aber nicht der Dreiklangsharmonik
  • Akkorde als Farbwerte
  • Akkordrückungen, oft mit Sept-, Septnon- oder anderen Spannungsakkorden
  • Verschleierung der Tonalität, harmonische Eintrübungen
  • Verwendung ungewöhnlicher und exotischer Skalen, z.B. Ganztonleiter
  • Verwendung alter Skalen wie Kirchentonarten oder Pentatonik
  • Einsatz spezieller Akkordstrukturen wie Quint- und Quartschichtungen
  • Verwendung von Klangfeldern, oft pentatonisch oder ganztönig
  • Bitonale und polytonale Klangeffekte

Rhythmik

Schwebende Rhythmik durch Verunklarung des Metrums und fehlende Taktschwerpunkte

  • Häufig komplizierte Rhythmik, die aber nicht als solche wahrgenommen wird
  • Bewusstes Negieren und Verunklaren der Taktschwerpunkte und Taktarten
  • Bewusste Taktverschleierung durch Auslassen der "1", Überbindungen und Synkopen
  • Taktwechsel
  • Unregelmäßige Phrasenbildung

Melodik

Quasi gewichtslose melodische Linien ohne starke Bindung an metrische und harmonische Schwerpunkte

  • Offene, auslaufende Melodien oder Melodiefragmente, Vermeidung von abgeschlossenen Melodien und Themen
  • Kurze, episodenhafte Motive oder Melodieelemente, Verzicht auf thematische Arbeit
  • Konturlosigkeit
  • Pendelmelodik, in sich kreisende melodische Beweungen
  • Chromatik
  • Orientierung an der Melodiebildung außereruopäischer Musik, z.B. javanische Musik

Form

  • Häufige Dreiteiligkeit mit einfachen ABA'-Formen oder lockere Reihungsformen
  • Formale Gliederung oft durch harmonische Felder
  • Formale Zusammenhänge entstehen nicht durch motivisch-thematische Entwicklungen, sondern durch versteckte rhythmische-motivische Beziehungen
  • Keine Wiederholungen
  • Zum Teil sehr komplexe, schwer zu durchschauende Formmodelle

Instrumentation

Gewinnung von Klangfarben und Farbeffekten aus einer differenziert ausgeführten und sehr durchsichtigen Instrumentation

  • Fein abgestufter, differenzierter Einsatz der Instrumente
  • Stehende, innerlich leicht bewegte, vibrierende Klangflächen
  • Sorgfältig ausgesuchte, immer neue Kombinationen von Instrumenten zur Gewinnung immer neuer Klangfarben, Beleuchtungswechsel
  • Vorliebe für Instrumente mit weichem, zartem Klang wie Flöte, Harfe, Streicher, Holzbläser

Struktur

Gleichzeitigkeit der Ereignisse, Klangpolyphonie

  • Oft Dreischichtung, also drei gleichzeitig ablaufende musikalische Ebenen (Klangpolyphonie)
  • Verwendung von Orgelpunkten und Ostinati

Dynamik

Genaueste Differenzierung, Vorliebe für leise Töne

  • Oft leise bis sehr leise, dabei aber genauestens ausdifferenziert und dadurch schwer umzusetzen
  • Genaue Klangvorstellung des Komponisten, die er mit Dynamikangaben zu vermitteln sucht

Sonstiges

  • Vorliebe für außermusikalische Titel, die aber keine Handlungsabläufe darstellen, sondern nur die Atmosphäre andeuten sollen
  • Keine Programmmusik

  © 2017 by Jochen Scheytt

Debussy Titel

Die deutschen Debussy-Seiten sind der umfangreichste Überblick über Debussys Leben und Schaffen in deutscher Sprache im Internet.
Jochen Scheytt
ist Lehrer, Pianist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.


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Autor

Jochen Scheytt

ist Lehrer, Pianist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.