Die deutschen Debussy-Seiten

von Jochen Scheytt

La damoiselle élue

Entstehung

Debussys 1887/88 entstandene Kantate für Sopran (Damoiselle), Mezzosopran (Erzählerin), vierstimmigen Frauenchor und Orchester ist zu seinen frühen, noch stark von Richard Wagner beeinflussten Werken zuzurechnen. Trotzdem spürt man an manchen Stellen schon den kommenden Debussy mit seinen typischen Stilmerkmalen.

"La damoiselle élue" entstand zu Teilen in Rom, während Debussys Aufenthalt als Stipendiat des Rompreises. Er reichte die Kantate auch als offizielles Werk ein, was ihm eine für die Kommision unverhofft positive Resonanz verschaffte, auch wenn wieder einiges an Kritik an seiner Schreibweise geäußert wurde. Aufgeführt wurde das Werk zum ersten Mal aber erst im Jahre 1893, am 8. April, mit gutem Erfolg.

Inspiration

Textlich basiert "La damoiselle élue" auf einer Dichtung des englischen Künstlers Dante Gabriel Rossetti in der französischen Übersetzung von Gabriel Sarrazin. Das lyrische Gedicht handelt von einer verstorbenen Frauengestalt, die "blessed damozel" oder auch "damoiselle élue", die, sich auf die Himmelsbrüstung lehnend, auf die Erde herabschaut und sich nach ihrem Geliebten sehnt.

Dante Gabriel Rossetti

Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) wurde als Sohn des italienischen Dichters Gabriele Rossetti in London geboren. Einen Namen verschaffte er sich mit der 1848 von ihm und zwei Künstlerfreunden gegründeten Gruppe der Präraphaeliten. Diese Gruppe stand ganz im Geiste der Romantik, indem ihre Mitglieder durch Rückbesinnung auf das Mittelalter (Präraphaeliten --> Raffael 1483-1520, italienischer Maler und Baumeister), die Flucht in eine idealisierte und mystische Traumwelt und eine intensive Naturdarstellung die oft hässliche und für sie unerträgliche Alltagswelt auszublenden versuchten.

Rossetti war nicht nur Dichter, sondern auch Maler und stellte seinem berühmtesten Gedicht "The blessed damozel" circa 30 Jahre später, 1876, ein Bild zur Seite, das schon Merkmale des kommenden Jugendstils vorwegnahm.

The Blessed Damozel

Die Vertonung

Debussy hat für seine Vertonung die Strophen des Liebhabers, die im Original in Klammern gesetzt sind, weggelassen. Er konzentrierte sich auf die mystisch verklärte Frauengestalt, die auf ihn nicht nur in diesem speziellen Fall eine starke Anziehungskraft zu haben schien. Auch die in anderen, späteren Werken vorkommenden Frauengestalten (z.B. bei Pelléas et Mélisande) entsprechen diesem Typus.

  © 2016 by Jochen Scheytt

Debussy Titel

Die deutschen Debussy-Seiten sind der umfangreichste Überblick über Debussys Leben und Schaffen in deutscher Sprache im Internet.
Jochen Scheytt
ist Lehrer, Pianist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.


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Autor

Jochen Scheytt

ist Lehrer, Pianist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.